In der Jahrhundertwende XIV—XV J. entstanden allmahlich in den Großstadten Deutschlands die Kaufrnannsvereinigungen, die sich auf den Handel mit bestimmten Städten oder mit bestimmten Landern speziali-sierten. Anfang des XV. Jahrhunderts gab es nur in Ltibeck ca. 10 Vereinigungen dieser Art, darunter waren auch die nowgoroder Vereinigung. Die mit Nowgorod handelnden Kaufleute hießen «Nowgorodfahrer». In Strahlsund in der kaufmannischen Nikolauskirche befindet sich tiber den Banken der in Nowgorod tatigen Kaufleute ein holzerner Schnitzfries. Der Schnitzfries stellt die Nowgoroder dar, die nach Pelztieren jagen, Honig sammeln und diese Waren zum deutschen Hof bringen.

Die Unterkunftsbedingungen wurden für die deutschen Kaufleute in Nowgorod einerseits durch die Interessen der hanseatischen Kaufmannschaft und durch die am Hof ublichen Ordnungen bestimmt. Anderseits hingen sie von den Verhaltnissen mit den Einwohnern und Kaufleuten von Nowgorod und von den Anordnungen der nowgoroder Behorden ab. Die hanseatischen Städte strebten immer nach dem Monopolhandel mit Nowgorod, deshalb versuchten sie jegliche Konkurenz sowohl von der Seite der Nichthanseater, als auch innerhalb der hanseatischen Gesellschaft auszuschließen. So wurde z.B. die Aufenthaltsfrist in Nowgorod auf eine Saison, d.h. auf eine Winter- oder Sommerperiode begrenzt. Ausnahmsweise durften die Kaufleute in Novgorod ein Jahr lang bleiben, aber auf keinen Fall langer, sonst verlor der Kaufmann das Recht, das Kontor zu besuchen. Der Wert der einzuführenden Waren wurde auch auf maximal 1000 Mark beschrankt. Dem diese Regel verletzteden Kaufmann wurde die Ware entzogen und ging zu Hofbesitz über. Der Schuldi-ge durfte aufierdem künftig keine Waren nach Nowgorod bringen. Diese Maßnahme wurde durch die Sorge um die Beibehaltung und Gewahrleistung der stabilen Preisen auf die hanseatischen Waren bedingt. Nur in der Krisesituation, als der Hansehandel allmahlich in Verfall geriet, erlaubten die Städte, den Warenwert bis zu 1500 Marken zu erhohen.

Was die Bedingungen von nowgoroder Seite betrifft, sie wurden durch das Streben von Nowgorod bedingt, die deutschen Kaufleute unter Kontrolle zu halten und aufierdem Einkommen für die Nowgoroder zu gewahrleisten. Die Abreise der deutschen Kaufleute aus Nowgorod hing vollkommen von dem Willen der Städtbehorden ab, weil es ihnen vorgeschrieben wurde, bei der Warenbeforderung in die Hofe und zurück nur die Dienstleistungen von den novgoroder Tragern zu nutzen. Die hanseatischen Schiffe gingen außrdem nicht auf dem Wolchowfluß bis Nowgorod hinauf, sondern gingen in der Nevamündung oder bei den Stromschnellen vor Anker. Dort fand die Umschiffung der Waren auf die nowgoroder kahnformigen Schiffe statt, die von den nowgoroder Lotsen geführt wurden. Diese Regel machte es für die Nowgoroder leichter die deutschen Kaufleute in Nowgorod bei Bedarf zu verhaften, was sie auch mehrmals taten. Die Trager aus Nowgorod begannen im XV. Jahrhundert, eigenmachtig die Preise für Be- und Entladen der Waren anzusetzen, was standige Vorwtirfe und Klagen yon der hanseatischen Seite verursachte. Die deutschen Kaufleute waren auch damit unzufrieden, dass sie kein Recht hatten, selber ihre Waren zu befordern, wie es der Fall in alien hanseatischen Städten war.

Die ganze Geschichte des Handels zwischen Nowgorod und der Han-se ist von der Widersprtichlichkeit durchdrungen: einerseits liegt das große gegenseitige Interesse der beiden Seiten am Handel auf der Hand; andererseits ist die Geschichte der nowgorod-hanseatischen Beziehungen reich an fortwahrenden Konflikten; Verboten, Handel zu treiben; an den haufigen Streitereien zwischen den ausländischen Kaufleuten und den Städtbe-wohnern. In der ganzen Geschichte des nowgorod-hanseatischen Handels fehlt ein einzigste ruhige Jahrzehnt ohne gegenseitigen Anforderangen, ohne wechselseitigen Beschlagnahmen und Kaufmannsverhaftungen usw. Die hanseatischen Kaufleute schlossen die Hofe und die Kirche wahrend der großten Konflikte, nahmen alle Besitzwerte und Kontorsarchiv mit und verliessen Nowgorod. Die Nowgoroder bestrebten seinerseits, die Hanseater aufzuhalten und festzunehmen, bis die russische Forderungen befriedigt werden. Sogar die angespanntesten Auseinandersetzungen und dauerhafte Unterbrechungen im novgorod-hanseatischen Handel (z.B. Ende des XIV. Jahrhunderts, da die Partner sich 1385–1391 in dem Handelskriegzustand befanden) endeten jedoch jedes Mai mit Verhandlungen und mit der Unterzeichnung des nachsten Handelsabkommens.

Einen Schlufipunkt in den Handelsbeziehungen zwischen Nowgorod und der Hanse hat Ivan III. im Jahre 1494 gestellt. Das Hansekontor in Nowgorod wurde damals geschlossen, die hanseatischen Kaufleute mit ihren Waren wurden festgenommen und nach Moskau geschickt. Nach 20 Jahren, 1514, wurde das Hansekontor in Nowgorod wieder geoffnet. Das war aber ein anderes Kapitel, in der Geschichte der Städt Nowgorod, als auch der Hanse.

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