Augenblicklich band Munro eins der Tiere los und überreichte es mir mit einem derart wohlwollenden Strahlen, dass ich es einfach annehmen musste. Ich erwiderte sein Lächeln und hoffte insgeheim, dass das Kaninchen keine Flöhe hatte.
»Ein Hochzeitsgeschenk«, sagte Jamie. »Ein höchst willkommenes dazu, Munro. Du musst uns gestatten, dir den Gefallen zu erwidern.« Und damit zog er eine der Aleflaschen aus ihrem Moosbett und reichte sie seinem Freund.
Nachdem nun die gebührenden Höflichkeiten ausgetauscht waren, setzten wir uns alle wieder, um uns die dritte Flasche Bier zu teilen. Jamie und Munro tauschten die jüngsten Neuigkeiten und Gerüchte aus, und ihr Gespräch floss ungehindert dahin, obwohl nur einer von ihnen redete.
Ich beteiligte mich kaum an der Unterhaltung, da ich Munros Gebärden ja nicht verstand, obwohl sich Jamie bemühte, mich mit einzubeziehen, indem er mir dolmetschte.
An einem Punkt zeigte Jamie mit dem Daumen auf die rechteckigen Bleistückchen an Munros Riemen.
»Bist du unter die Offiziellen gegangen?«, fragte er. »Oder ist das nur für Zeiten, in denen das Wild knapp ist?« Munro nickte mit dem Kopf wie ein Schachtelteufel.
»Was ist das denn?«, fragte ich neugierig.
»Gaberlunzies.«
»Oh, natürlich«, sagte ich. »Entschuldige, dass ich gefragt habe.«
»Gaberlunzies sind Bettellizenzen, Sassenach«, erklärte Jamie. »Sie gelten innerhalb der Grenzen einer Gemeinde und auch das nur an dem einen Wochentag, an dem das Betteln gestattet ist. Jede Gemeinde hat ihre eigene Marke, so dass die Bettler aus dem einen Ort die Mildtätigkeit des anderen nicht ausnutzen können.«
»Ein System mit einen gewissen Maß an Spielraum, wie ich sehe«, sagte ich mit einem Blick auf Munros Sortiment.
»Ah, nun ja, Munro ist ein Sonderfall. Er ist auf See in türkische Gefangenschaft geraten. Hat viele Jahre auf einer Galeere verbracht und dann noch einige Zeit als Sklave in Algier. Dort hat er auch die Zunge verloren.«
»Sie haben sie … ihm abgeschnitten?« Mir wurde etwas mulmig.
Jamie schien dieser Gedanke nicht zu erschüttern, doch er kannte Munro ja anscheinend auch schon lange.
»Oh, aye. Und ihm das Bein gebrochen. Den Rücken ebenfalls, Munro? Nein«, verbesserte er sich auf einige Gebärden Munros hin. »Der Rücken war ein Unfall; das ist passiert, als er in Alexandria von einer Mauer gesprungen ist. Aber die Füße, das waren die Türken.«
Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, doch Munro und Jamie schienen beide davon besessen, es mir zu erzählen. »Also schön«, sagte ich resigniert. »Was ist denn mit seinen Füßen?«
Geradezu stolz entledigte sich Munro seiner abgenutzten Holzpantinen und seiner Strümpfe und zeigte mir seine breiten Füße, deren Haut voller Verdickungen und rauher Stellen war. Glänzende weiße Flecken wechselten sich mit brennend roten Stellen ab.
»Kochendes Öl«, erklärte Jamie. »So zwingen sie gefangene Christen, zur Muselmanenreligion zu konvertieren.«
»Sieht nach einer sehr überzeugenden Methode aus«, sagte ich. »Und das ist der Grund, warum er in mehreren Gemeinden betteln darf? Als Wiedergutmachung für das, was er für die Christenheit durchgemacht hat?«
»Aye, genau«, sagte Jamie, anscheinend zufrieden, wie schnell ich begriffen hatte. Auch Munro drückte mir seine Bewunderung mit einer weiteren tiefen Verneigung aus, gefolgt von einer ausdrucksvollen Sequenz wenig taktvoller Handbewegungen, die anscheinend ein Kompliment an meine körperlichen Vorzüge sein sollten.
»Danke, Mann. Aye, ich bin wirklich sehr stolz auf sie.« Angesichts meiner hochgezogenen Augenbrauen drehte Jamie Munro diplomatisch so, dass er mir den Rücken zukehrte und ich die fliegenden Finger nicht mehr sehen konnte. »Also, was gibt es Neues in der Gegend?«
Die beiden Männer rückten dichter zusammen und setzten ihre ungleiche Unterhaltung mit wachsender Intensität fort. Da sich Jamies Part hauptsächlich auf Grunzlaute und interessierte Ausrufe zu beschränken schien, konnte ich kaum etwas von ihrem Inhalt erraten und beschäftigte mich stattdessen damit, die seltsamen kleinen Felsenpflanzen in Augenschein zu nehmen, die aus der Oberfläche unseres Ausgucks sprossen.
Ich hatte eine Tasche voll Augentrost und Schwarznesseln gesammelt, als sie ihr Gespräch beendeten und Hugh Munro sich zum Gehen erhob. Mit einer letzten Verbeugung in meine Richtung und einem Hieb auf Jamies Rücken schlurfte er zum Rand des Felsens und verschwand so schnell, wie sich die Kaninchen, die er wilderte, in ihren Bau verkrochen.
»Was für faszinierende Freunde du hast«, sagte ich.
»Oh, aye. Hugh ist ein lieber Kerl. Ich bin letztes Jahr mit ihm und ein paar anderen auf die Jagd gegangen. Als anerkannter Bettler ist er jetzt zwar auf sich gestellt, aber er kommt viel herum; er weiß alles, was innerhalb der Ortsgrenzen von Ardagh und Chesthill vor sich geht.«
»Unter anderem, wo sich Horrocks aufhält?«, riet ich.
Jamie nickte. »Aye. Und er überbringt eine Nachricht für mich, um einen neuen Treffpunkt auszumachen.«