»Nein, das geht nicht«, beschwor mich Jamie zum wiederholten Mal geduldig. »Der Großteil der Männer wird mit Ned nach Lag Cruime reiten, um wie geplant die Pacht zu kassieren. Dougal begleitet mich mit ein paar anderen zu der Zusammenkunft, für den Fall, dass Horrocks ein falsches Spiel spielt. Aber man darf dich nicht in der Nähe von Lag Cruime sehen; es ist möglich, dass Randalls Männer dort unterwegs sind, und ich würde es ihm zutrauen, dich gewaltsam entführen zu lassen. Und was das Treffen mit Horrocks betrifft, so habe ich keine Ahnung, was dort geschehen wird. Nein, hinter der nächsten Kurve ist ein kleiner Wald – er ist dicht, und es gibt Gras und Wasser. Dort kannst du dich gut aufhalten, bis ich dich wieder holen komme.«

»Nein«, sagte ich hartnäckig. »Ich komme mit.« Mein Stolz hinderte mich zwar daran, zuzugeben, dass ich Angst davor hatte, von ihm getrennt zu sein. Aber ich hatte kein Problem damit, ihm zu sagen, dass ich Angst um ihn hatte.

»Du hast doch selbst gesagt, dass du nicht weißt, was geschehen wird, wenn du Horrocks begegnest«, argumentierte ich. »Ich möchte nicht den ganzen Tag hier warten und mich fragen, was aus dir geworden ist. Lass mich mitkommen«, beschwor ich ihn. »Ich verspreche, dass ich mich während des Treffens versteckt halten werde. Aber ich möchte nicht allein hierbleiben und mir den ganzen Tag Sorgen machen.«

Er seufzte ungeduldig, widersprach aber nicht mehr. Doch als wir kurz vor dem Wäldchen waren, beugte er sich zur Seite, griff nach dem Zaumzeug meines Pferdes und drängte mich von der Straße ins Gras. Dort glitt er aus dem Sattel und band beide Pferde an einen Busch. Ohne meine lautstarken Einwände zu beachten, verschwand er zwischen den Bäumen. Ich weigerte mich abzusteigen. Er konnte mich doch nicht zum Bleiben zwingen, dachte ich empört.

Schließlich tauchte er wieder auf. Die anderen waren mittlerweile schon vorgeritten, aber Jamie hatte unser letztes Erlebnis in einem einsamen Wald nicht vergessen und war nicht bereit, mich allein zu lassen, solange er das Wäldchen nicht gründlich durchsucht hatte. Er band die Pferde los und schwang sich in den Sattel.

»Keine Gefahr«, sagte er. »Reite ins Dickicht, Claire, und versteck dich und das Pferd. Ich hole dich, sobald wir fertig sind. Ich kann dir nicht genau sagen, wie lange es dauert, aber ich bin auf jeden Fall heute Abend wieder zurück.«

»Nein! Ich begleite dich.« Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, im Wald vor mich hin zu schmoren, ohne zu wissen, was geschah. Tatsächliche Gefahr war mir lieber als angstvolle Stunden des Wartens und der Ungewissheit. Und des Alleinseins.

Jamie kämpfte nun sichtbar mit seiner Ungeduld. Er streckte den Arm aus und packte meine Schulter.

»Hast du nicht versprochen, mir zu gehorchen?«, fragte er ernst und schüttelte mich sacht.

»Doch, aber …« Aber nur, weil ich es musste, hätte ich fast gesagt, doch er dirigierte mein Pferd bereits auf das Dickicht zu.

»Mein Vorhaben ist sehr gefährlich, und ich will dich nicht dabeihaben, Claire. Ich werde beschäftigt sein, und falls es zu einer Auseinandersetzung kommt, kann ich nicht gleichzeitig kämpfen und dich beschützen.« Als er meinen aufmüpfigen Blick sah, schob er die Hand in die Satteltasche und begann, darin herumzukramen.

»Was suchst du denn?«

»Einen Strick. Wenn du nicht tust, was ich sage, binde ich dich bis zu meiner Rückkehr an einen Baum.«

»Das würdest du nicht tun!«

»Aye, das würde ich!« Er meinte es zweifellos ernst. Jamie beugte sich vor, um mich flüchtig auf die Wange zu küssen, während er sich bereits in Richtung Straße wandte.

»Gib auf dich acht, Sassenach. Hast du deinen Dolch? Gut. Ich bin wieder da, so schnell ich kann. Oh, eines noch.«

»Was denn?«, fragte ich finster.

»Wenn du diesen Wald verlässt, ehe ich dich holen komme, gerbe ich dir den nackten Hintern mit meinem Schwertgürtel. Dann müsstest du den ganzen Weg bis nach Bargrennan laufen. Denk daran«, sagte er und kniff mich sanft in die Wange, »ich kenne keine leeren Drohungen.« Das wusste ich. Ich ergab mich mürrisch in mein Schicksal und ritt widerstrebend auf das Wäldchen zu. Davor drehte ich mich noch einmal um und sah ihn mit wehendem Plaid davongaloppieren, tief über den Sattel gebeugt, eins mit seinem Pferd.

Es war angenehm kühl unter den Bäumen, und das Pferd und ich atmeten erleichtert auf, als wir den Schatten betraten. Es war einer dieser seltenen heißen Tage in Schottland, an denen der Morgennebel um acht Uhr verdunstet ist. Der Wald war voller Vogellärm; ein Meisenschwarm war in den Eichen zu meiner Linken auf Futtersuche, und ganz in der Nähe konnte ich etwas hören, was ich für eine Spottdrossel hielt.

Ich hatte mich schon immer für Ornithologie begeistert. Wenn ich schon hier festsaß, bis mein herrschsüchtiger, dominanter, sturköpfiger Esel von einem Gemahl genug davon hatte, seinen dämlichen Hals zu riskieren, konnte ich die Zeit genauso gut nutzen, um zu erkunden, was sich hier erspähen ließ.

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