Ich versank quälend langsam. Da ich mich nicht länger nach oben kämpfte, blähte sich mein Rock rings um mich auf und trieb vor meinem Gesicht dahin. Ich drückte ihn beiseite; mein Gesicht durfte keinesfalls verdeckt werden. Als meine Füße endlich den glatten Grund der Vertiefung berührten, standen meine Lungen kurz vor dem Bersten, und vor meinen Augen tanzten dunkle Flecken. Ich ging in die Knie, presste meine Röcke an mich und stieß mich mit aller Kraft nach oben ab.

Es funktionierte, wenn auch nur gerade eben. Mein Kopf durchbrach im letzten Moment die Oberfläche, und ich hatte Zeit für einen kurzen, lebensrettenden Atemzug, ehe das Wasser wieder über mir zusammenschlug. Doch das reichte. Ich wusste, dass ich es wiederholen konnte. Ich drückte die Arme an meine Seiten, um stromlinienförmiger zu sein und rascher nach unten zu sinken. Noch einmal, Beauchamp, dachte ich. Geh in die Knie, hol Schwung, spring ab!

Ich schoss aufwärts, die Arme über den Kopf gestreckt. Als ich das letzte Mal an die Wasseroberfläche gekommen war, hatte ich etwas Rotes aufblitzen sehen; eine Eberesche musste über das Wasser ragen. Vielleicht würde es mir gelingen, einen ihrer Äste zu fassen.

Als mein Gesicht erneut aus dem Wasser fuhr, griff etwas nach meiner ausgestreckten Hand. Etwas Festes, Warmes und beruhigend Kräftiges. Eine andere Hand.

Hustend und spuckend tastete ich mit der freien Hand blindlings um mich, zu glücklich über die Rettung, um die Unterbrechung meines Fluchtversuchs zu bedauern. Zumindest so lange glücklich, bis ich mir das Haar aus den Augen strich und in das nervöse, teigige Lancashiregesicht des jungen Korporals Hawkins blickte.

Kapitel 21

Un Mauvais Quart d’Heure nach der anderen

Ich zupfte mir geziert eine feuchte Wasserpflanze vom Ärmel und legte sie mitten auf das Löschpapier. Dann sah ich das Tintenfass danebenstehen, griff noch einmal nach der Ranke und tauchte sie hinein, um damit eine Reihe interessanter Muster auf das dicke Löschpapier zu zeichnen. Zunehmend inspiriert, vollendete ich mein Meisterwerk mit einem Schimpfwort, bestreute es sorgfältig mit Sand und tupfte es trocken, um es dann an die Schubfächer zu lehnen.

Ich trat einen Schritt zurück, um es zu bewundern, dann sah ich mich nach anderen Möglichkeiten um, mich von Hauptmann Randalls nahender Ankunft abzulenken.

Nicht schlecht für das private Schreibzimmer eines Hauptmanns, dachte ich angesichts der Gemälde an der Wand, der Silberbeschläge des Schreibtischs und des dicken Teppichs auf dem Boden. Ich stellte mich wieder auf den Teppich, um wirkungsvoller abtropfen zu können. Während des Ritts nach Fort William waren zwar meine Überkleider hinreichend getrocknet, aber die Unterröcke waren immer noch zum Auswringen nass.

Ich öffnete einen kleinen Schrank hinter dem Schreibtisch und entdeckte die Zweitperücke des Hauptmanns, die ordentlich auf einem von zwei schmiedeeisernen Ständern ruhte. Ein Ensemble aus einem silbergefassten Spiegel, dazu passenden Bürsten und einem Schildpattkamm lag mit militärischer Ordnung davor aufgereiht. Ich trug den Ständer mit der Perücke zum Schreibtisch und schüttete den restlichen Löschsand darüber, um ihn dann wieder in den Schrank zu stellen.

Ich saß hinter dem Schreibtisch, den Kamm in der Hand, und betrachtete mein Spiegelbild, als der Hauptmann eintrat. Er warf mir einen Blick zu, der meine wilde Erscheinung, den geplünderten Schrank und das entstellte Löschpapier lediglich ungerührt zur Kenntnis nahm.

Ohne mit der Wimper zu zucken, holte er sich einen Stuhl, setzte sich mir gegenüber und legte seinen Stiefel auf das Knie des anderen Beins. An seiner eleganten Aristokratenhand baumelte eine Reitgerte. Ich beobachtete ihre schwarz-rot geflochtene Spitze, die langsam über dem Teppich auf und ab schwang.

»Keine schlechte Idee«, gab er kopfnickend zu, während er zusah, wie meine Augen den Bewegungen der Peitsche folgten. »Aber mir fällt gewiss noch etwas Besseres ein, sobald ich mich einige Augenblicke gesammelt habe.«

»Das kann ich mir vorstellen«, entgegnete ich und schob mir eine Haarsträhne aus den Augen. »Aber Ihr dürft doch keine Frauen auspeitschen, oder?«

»Nur unter gewissen Umständen«, antwortete er höflich. »Welche auf Eure Situation nicht zutreffen – noch nicht. Aber das ist so öffentlich. Ich hatte gedacht, wir machen uns erst einmal unter vier Augen miteinander vertraut.« Er griff hinter sich, wo eine Karaffe auf der Anrichte stand.

Wortlos nippten wir Rotwein und betrachteten einander über unsere Gläser hinweg.

»Ich habe ganz vergessen, Euch zu Eurer Hochzeit zu gratulieren«, sagte er plötzlich. »Verzeiht mir meine schlechten Manieren.«

»Oh, keine Ursache«, erwiderte ich großzügig. »Ich bin mir sicher, dass Euch die Familie meines Mannes äußerst dankbar dafür sein wird, dass Ihr mir Eure Gastfreundschaft anbietet.«

»Oh, das möchte ich bezweifeln«, sagte er mit einem gewinnenden Lächeln. »Allerdings hatte ich auch gar nicht vor, sie davon in Kenntnis zu setzen.«

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