»Vielleicht solltest du die Pistole lieber hierherwerfen – es sei denn, du bist des Ehelebens müde. Wenn du natürlich lieber Witwer wärst …« Ihre Blicke schlangen sich ineinander wie zwei Liebende, die sich umarmen, und eine ewige Minute lang bewegte sich keiner von ihnen. Jamie war der Erste, der sich entspannte. Er atmete mit einem resignierten Seufzer aus und warf die Pistole ins Zimmer. Mit einem lauten Knall schlug sie auf dem Boden auf und rutschte Randall fast vor die Füße.
Randall bückte sich und hob sie mit derselben fließenden Bewegung auf. Sobald das Messer von meiner Kehle abließ, versuchte ich, mich zu setzen, doch er presste mir die Hand auf die Brust und drückte mich wieder flach. Während er mich mit einer Hand festhielt, zielte er mit der anderen auf Jamie. Das Messer hatte er losgelassen; es lag irgendwo in der Nähe meiner Füße auf dem Boden. Hätte ich doch nur Greifzehen gehabt … Der Dolch in meiner Tasche war leider so unerreichbar, als wäre er auf dem Mars.
Das Lächeln war Randall seit Jamies Auftauchen nicht aus dem Gesicht gewichen. Jetzt wurde es so breit, dass ich seine spitzen Eckzähne sah.
»Nun, so ist es schon besser.« Seine Hand ließ von meiner Brust ab, um an seinen schwellenden Hosenlatz zurückzukehren. »Ich war gerade beschäftigt, als du eingetroffen bist, mein Lieber. Du wirst verzeihen, wenn ich fortfahre, ehe ich mich mit dir befasse.«
Jamies Gesicht war jetzt bis zum Scheitel rot, doch er stand reglos da, während die Pistole auf seinen Bauch zielte. Während Randall mit seinem Gefummel fortfuhr, stürzte sich Jamie von der Fensterbank direkt auf die Mündung der Pistole zu. Ich versuchte zu schreien, ihn aufzuhalten, doch mein Mund war trocken vor Angst. Randalls Fingerknöchel wurden weiß, und er drückte ab.
Der Hammer klickte nur, denn die Pulverkammer war leer, und Jamie rammte Randall die Faust in den Magen. Es knirschte dumpf, als seine andere Faust dem Offizier die Nase zersplitterte, und feine Blutstropfen landeten auf meinem Rock. Randall verdrehte die Augen, und er fiel zu Boden wie ein Stein.
Jamie war hinter mir, zog mich hoch und zerschnitt den Strick an meinen Handgelenken.
»Du hast
»Wenn sie geladen wäre, hätte ich ihn doch einfach gleich erschossen, oder?«, zischte Jamie.
Schritte kamen durch den Korridor auf die Stube zu. Der Strick löste sich, und Jamie zerrte mich zum Fenster. Es waren fast zweieinhalb Meter bis zum Boden, doch die Schritte hatten die Tür beinahe erreicht. Wir sprangen zusammen.
Ich landete mit einem Ruck, der mir durch Mark und Bein ging, und rollte mit wehenden Röcken weiter. Jamie riss mich hoch und presste mich an die Wand. Schritte näherten sich der Hausecke; sechs Soldaten kamen in Sicht, doch sie blickten nicht in unsere Richtung.
Sobald uns die Männer passiert hatten, nahm Jamie meine Hand und deutete auf die andere Ecke des Gebäudes. Wir schlichen uns an der Wand entlang und blieben kurz vor der Ecke stehen. Jetzt konnte ich sehen, wo wir waren. Etwa sechs Meter weiter führte eine Leiter zu einer Art Steg hinauf, der an der Innenseite der Fortmauer entlanglief. Er wies kopfnickend darauf, das war unser Ziel.
Er beugte den Kopf zu mir hinüber und flüsterte: »Wenn du eine Explosion hörst, lauf wie der Teufel und steig die Leiter hoch. Ich bin hinter dir.«
Ich nickte zum Zeichen, dass ich verstanden hatte. Mein Herz hämmerte wie wild; ich senkte den Blick und sah, dass meine Brust immer noch entblößt war. Doch im Moment konnte ich nicht viel dagegen tun. Ich raffte meine Röcke und war bereit loszulaufen.
Auf der anderen Seite des Gebäudes dröhnte es wie bei einer Mörserexplosion. Jamie stieß mich an, und ich rannte los, so schnell ich konnte. Ich sprang mit einem Satz auf die Leiter zu, packte sie und kletterte hinauf. Ich spürte das Holz vibrieren, als Jamie sich direkt hinter mir auf die Leiter warf.
Als ich mich oben umdrehte, konnte ich das ganze Fort überblicken. Aus einem kleinen Gebäude auf der anderen Seite quoll schwarzer Rauch auf, und aus allen Richtungen liefen Männer darauf zu.
Jamie tauchte neben mir auf. »Hier entlang.« Er rannte geduckt über den Laufsteg, und ich folgte ihm. Wir hielten neben dem Fahnenmast an, der in die Mauer eingelassen war. Die Flagge flatterte schwer über uns im Wind, und das Hisstau trommelte rhythmisch gegen den Mast. Jamie blinzelte über die Mauer und sah sich suchend um.
Ich blickte noch einmal auf die Garnison zurück. Die Männer drängten sich laut rufend um das kleine Gebäude. An der Seite entdeckte ich eine kleine Holzplattform, die ungefähr einen Meter hoch war und zu der mehrere Stufen hinaufführten. In der Mitte erhob sich ein schwerer Holzpfosten mit einem Querbalken, an dem Handeisen baumelten.
Plötzlich stieß Jamie einen Pfiff aus; ich spähte über die Mauer und sah Rupert, der auf seinem Pferd saß und Jamies Pferd am Zügel führte. Beim Klang des Pfiffs hob er den Kopf und lenkte die Pferde auf uns zu.