Er war so überrascht, dass er tatsächlich lachte. Sein Gesicht war völlig verwandelt, und ich verstand ohne Schwierigkeiten, warum sich so viele von Frauenhand beschriftete, parfümierte Umschläge in seiner linken unteren Schreibtischschublade befanden. Da er den Riss in der Fassade einmal zugelassen hatte, unterdrückte er das Gelächter nicht, sondern ließ es geschehen. Als er sich beruhigt hatte, blickte er mich wieder an, und ein kleines Lächeln verharrte in seinem Mundwinkel.

»Was auch immer Ihr sonst sein mögt, Madam, zumindest seid Ihr eine Ablenkung«, stellte er fest. Er zog an einer Glockenschnur neben der Tür, und als der Bedienstete zurückkehrte, wies er ihn an, mich zum Abort zu begleiten.

»Aber achtet darauf, dass Ihr sie nicht verliert, Thompson«, fügte er hinzu und hielt mir mit einer sardonischen Verbeugung die Tür auf.

Ich lehnte mich schwach an die Tür des Aborts, zu dem man mich geführt hatte. Außerhalb seiner Reichweite zu sein bedeutete zwar Erleichterung, doch diese war nicht von langer Dauer. Ich hatte reichlich Gelegenheit gehabt, mir ein Bild von Randalls wahrem Charakter zu machen, sowohl anhand dessen, was man mir erzählt hatte, als auch aus erster Hand. Wenn nur nicht immer wieder Frank unter dem polierten, rücksichtslosen Äußeren aufgeblitzt wäre. Es war ein Fehler gewesen, ihn zum Lachen zu bringen, dachte ich.

Ich setzte mich, ohne den Gestank zu beachten, so sehr war ich auf mein Problem konzentriert. Abgesehen von der Anwesenheit des wachsamen Mr. Thompson befand sich Randalls Schreibstube in einem Gebäude, das fast in der Mitte der Befestigungsanlage stand. Das Fort mochte zwar aus nicht viel mehr als einer Steinmauer bestehen, doch diese war drei Meter hoch, und die doppelten Tore waren gut bewacht.

Ich dachte daran, Übelkeit vorzutäuschen und in meiner Zuflucht zu verharren, verwarf den Gedanken jedoch – und das nicht nur, weil die Umgebung so unangenehm war. Die bittere Wahrheit war, dass jede Verzögerungstaktik zwecklos war, wenn es nichts gab, worauf man wartete – und so etwas gab es für mich nicht. Niemand wusste, wo ich war, und Randall hatte nicht vor, es jemandem mitzuteilen. Ich gehörte ihm, solange es ihm gefiel, sich mit mir zu vergnügen. Wieder bedauerte ich es, ihn zum Lachen gebracht zu haben. Ein Sadist mit einem Sinn für Humor war besonders gefährlich.

Während ich mein Wissen über den Hauptmann angestrengt nach etwas Nützlichem durchsuchte, blieb ich an einem Namen hängen. Zwar hatte ich ihn nur mit halbem Ohr gehört und mir die Hintergründe dazu nicht eingeprägt, doch ich hoffte, dass ich recht hatte. Es war eine erbärmlich kleine Karte für dieses Spiel, doch es war die einzige, die ich hatte. Ich holte tief Luft, atmete hastig wieder aus und verließ meine Zuflucht.

Wieder in Randalls Stube, löffelte ich Zucker in meinen Tee und rührte ihn sorgfältig um. Nachdem ich diese Zeremonie so lange hinausgezögert hatte, wie es nur ging, sah ich mich schließlich gezwungen, Randall anzublicken. Er saß wieder in seiner Lieblingspose da und hielt die Tasse elegant erhoben, um mich darüber hinweg beobachten zu können.

»Nun«, sagte ich, »macht Euch keine Sorgen, dass Ihr mir den Appetit verderben könntet, denn ich habe keinen. Was also habt Ihr mit mir vor?«

Er lächelte und trank vorsichtig einen Schluck brühheißen Tee, ehe er antwortete.

»Nichts.«

»Tatsächlich?« Ich zog überrascht die Augenbrauen hoch. »Hat Euch Eure Erfindungsgabe etwa im Stich gelassen?«

»Nein«, sagte er, und sein Blick heftete sich an die Oberkante meines Mieders, in dem zwar ein Tüchlein steckte, das jedoch die Oberseiten meiner Brüste nicht verhüllte. »So gern ich Euch eine dringend benötigte Lektion in guten Manieren erteilen würde, ich muss dieses Vergnügen leider auf unbestimmte Zeit verschieben. Stattdessen schicke ich Euch mit der nächsten Depeschensendung nach Edinburgh. Und ich hätte nicht gern, dass Ihr mit irgendwelchen sichtbaren Beschädigungen dort eintrefft; meine Vorgesetzten könnten mich für achtlos halten.«

»Edinburgh?« Ich konnte meine Überraschung nicht verbergen.

»Ja. Ihr habt doch vermutlich schon vom Tolbooth gehört?«

Das hatte ich. Es war eines der schlimmsten Gefängnisse dieser Zeit, berüchtigt für den Schmutz, die Kriminalität, die Seuchen und die Dunkelheit, die dort herrschten. Viele der Gefangenen starben, noch ehe man sie vor Gericht bringen konnte. Ich schluckte krampfhaft und zwang die Galle hinunter, die mir in die Kehle gestiegen war, um sich dort mit dem süßen Tee zu vermischen.

Selbstzufrieden nippte Randall ebenfalls an seinem Tee.

»Ihr solltet Euch dort wie zu Hause fühlen. Ihr scheint ja eine gewisse ungesunde Feuchtigkeit in Eurer Umgebung zu bevorzugen.« Er warf einen tadelnden Blick auf den nassen Saum meines Unterrocks, der unter meinem Kleid hervorhing. »Nach Eurem Aufenthalt in Leoch solltet Ihr Euch dort wie zu Hause fühlen.«

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