Ich bezweifelte sehr, dass die Küche im Tolbooth so exzellent war wie das, was Colum auftischen ließ. Doch ganz abgesehen von jeder Frage nach Luxus und Komfort, konnte ich es unter keinen Umständen zulassen, dass er mich nach Edinburgh schickte. Wenn ich erst im Tolbooth verschwunden war, würde ich nie zu dem Steinkreis zurückgelangen.
Der Zeitpunkt, meine Karte einzusetzen, war da.
»Wie Ihr möchtet«, sagte ich, völliges Desinteresse heuchelnd. »Was glaubt Ihr denn, was der Herzog von Sandringham dazu sagen wird?«
Er kippte sich vor Schreck den Tee in den Schoß seiner Lederhose, ließ die Tasse fallen und stieß mehrere höchst zufriedenstellende Geräusche aus.
Er fasste sich wieder und funkelte mich wütend an. Die Teetasse lag auf der Seite, und ihr brauner Inhalt sickerte langsam in den blassgrünen Teppich, doch er machte keine Anstalten, erneut zu läuten. An seinem Hals zuckte ein kleiner Muskel.
Ich hatte einen Stapel gestärkter Taschentücher in seiner linken Schreibtischschublade gefunden, zusammen mit einer emaillierten Schnupftabakdose. Ich zog eines heraus und reichte es ihm.
»Ich hoffe, das gibt keine Flecken«, sagte ich liebenswürdig.
»Nein«, sagte er, ohne das Taschentuch zu beachten. Er sah mich scharf an. »Nein, das ist nicht möglich.«
»Ach? Warum denn nicht?«, fragte ich. Ich spielte die Gelassene, während ich mich fragte,
»Man hätte es mir gesagt. Und wenn
»Vielleicht möchte der Herzog ja Eure Loyalität auf die Probe stellen«, meinte ich, während ich mich darauf vorbereitete aufzuspringen, falls es nötig wurde. Er hatte die Hände zu Fäusten geballt, und die Reitpeitsche lag viel zu leicht erreichbar auf dem Tisch.
Er prustete als Antwort auf meine Vermutung.
»Vielleicht möchtet Ihr ja meine Leichtgläubigkeit auf die Probe stellen. Oder meine Reizschwelle. Beide, Madam, sind nicht sehr hoch.« Seine Augen verengten sich berechnend, und ich machte mich auf einen spontanen Angriff gefasst.
Er stürzte sich auf mich, und ich warf mich zur Seite. Dabei bekam ich die Teekanne zu fassen und schleuderte sie ihm entgegen. Er duckte sich, und sie prallte mit einem wundervollen Scheppern gegen die Tür. Der Bedienstete, der sich draußen aufgehalten haben musste, steckte erschrocken den Kopf herein.
Der Hauptmann winkte ihn schwer atmend in das Zimmer.
»Haltet sie fest«, befahl er knapp und trat an seinen Schreibtisch. Ich begann, tief durchzuatmen, sowohl um mich zu beruhigen als auch weil ich befürchtete, es gleich nicht mehr zu können.
Doch statt mich zu schlagen, öffnete er nur die untere rechte Schublade, die ich nicht hatte erforschen können, und zog einen langen dünnen Strick heraus.
»Welcher zivilisierte Mensch bewahrt denn einen Strick in seinem Schreibtisch auf?«, fragte ich entrüstet.
»Einer, der auf alles vorbereitet ist, Madam«, murmelte er und schnürte mir die Handgelenke im Rücken zusammen.
»Geht«, sagte er ungeduldig zu dem Bediensteten und wies mit einem Ruck seines Kopfes zur Tür. »Und kommt nicht zurück, ganz gleich, was Ihr hört.«
Das klang unheilvoll, und meine Vorahnungen bewahrheiteten sich, als er jetzt erneut in die Schublade griff.
Ein Messer hat etwas an sich, das Menschen nervös macht. Die furchtlosesten Kämpfer weichen zurück, wenn sie eine blanke Klinge sehen. Auch ich wich zurück, bis meine gefesselten Hände mit der gekälkten Wand zusammenstießen. Die bedrohlich glänzende Spitze senkte sich und drückte sich zwischen meine Brüste.
»Und jetzt«, sagte er freundlich, »werdet Ihr mir alles sagen, was Ihr über den Herzog von Sandringham wisst.« Der Druck des Messers verstärkte sich, und in meinem Kleid zeichnete sich eine Vertiefung ab. »Lasst Euch ruhig so viel Zeit, wie Ihr braucht, meine Liebe. Ich habe keinerlei Eile.« Es knackte leise, und die Spitze durchbohrte den Stoff. Ich spürte sie als kleinen Fleck direkt über meinem Herzen, kalt wie die Angst.
Randall beschrieb langsam einen Halbkreis unter einer Brust. Der Stoff gab nach, mein weißes Hemd lugte hervor, und meine Brust quoll heraus. Randall schien den Atem angehalten zu haben; jetzt atmete er langsam aus, den Blick fest auf meine Augen gerichtet.
Ich schob mich von ihm fort, doch ich hatte nur sehr wenig Platz zum Manövrieren. Mit dem Rücken kam ich nun zum Schreibtisch aus und hielt mich mit den gefesselten Händen an der Kante fest. Wenn er nah genug herankam, dachte ich, konnte ich mich vielleicht auf meine Hände stützen und Schwung holen, um ihm das Messer aus der Hand zu treten. Ich glaubte nicht, dass er mich umbringen wollte; mit Sicherheit nicht, solange er nicht herausgefunden hatte, was ich über seine Verbindung mit dem Herzog wusste. Doch irgendwie tröstete mich diese Überlegung kaum.