»Es ist ja auch noch weit bis Bargrennan.«
»Das stimmt. Also dann. Weißt du noch, dass ich dir erzählt habe, dass ich mit sechzehn ein Jahr in Leoch verbracht habe? Es war eine Abmachung zwischen Colum und meinem Vater – um mich mit dem Clan meiner Mutter vertraut zu machen. Ich habe zwei Jahre als Ziehsohn bei Dougal gelebt und dann ein Jahr auf der Burg, um gute Umgangsformen zu lernen und Latein und solche Dinge.«
»Oh. Ich hatte mich schon gefragt, wie es kam, dass du dort warst.«
»Aye, so war es. Ich war kräftig für mein Alter oder zumindest groß, konnte damals schon gut mit dem Schwert umgehen und war ein ziemlich guter Reiter.«
»Und bescheiden«, sagte ich.
»Nicht besonders. Dafür aber ziemlich unverschämt und noch vorlauter, als ich es heute bin.«
»Kaum auszumalen«, sagte ich belustigt.
»Nun ja, Sassenach. Ich hatte gemerkt, dass ich die Leute mit meinen Bemerkungen zum Lachen bringen konnte, also habe ich öfter gespottet, ohne groß darauf zu achten, was ich sagte oder zu wem. Ich war manchmal gemein zu den anderen Jungen, ohne es böse zu meinen; ich konnte einfach nicht widerstehen, wenn mir ein schlauer Spruch einfiel.«
Er blickte zum Himmel auf, um zu schätzen, wie spät es war.
»Also bin ich eines Tages zu weit gegangen. Ich war mit ein paar anderen Jungen in einem Korridor unterwegs und habe Mistress FitzGibbons am anderen Ende gesehen. Sie hatte einen großen Korb dabei und ist beim Gehen hin und her gewatschelt. Du weißt ja, wie sie heute aussieht; damals war sie auch nicht viel schlanker.« Verlegen rieb er sich die Nase.
»Nun, ich habe ein paar unhöfliche Bemerkungen über ihr Aussehen gemacht. Lustig, aber ausgesprochen unhöflich. Meine Kameraden haben furchtbar gelacht. Mir war nur nicht klar, dass sie mich auch gut hören konnte.«
Mit Leichtigkeit konnte ich mir die füllige Haushälterin von Leoch vorstellen. Ich selbst hatte sie zwar immer nur gutmütig erlebt, aber sie schien mir kein Mensch zu sein, den man ungestraft beleidigen konnte.
»Was hat sie getan?«
»Nichts – zu diesem Zeitpunkt. Ich habe erst erfahren, dass sie das Ganze gehört hatte, als sie am nächsten Tag in der Halle vor Colum getreten ist und ihm alles erzählt hat.«
»Oje.« Ich wusste, wie sehr Colum Mrs. Fitz schätzte, und ich glaubte nicht, dass er eine Respektlosigkeit ihr gegenüber auf die leichte Schulter nehmen würde. »Was ist passiert?«
»Das Gleiche, was Laoghaire passiert ist – zumindest fast.« Er gluckste.
»Nur dass mich der Übermut gepackt hat und ich aufgestanden bin und gesagt habe, dass ich eine Bestrafung mit der Faust wähle. Ich habe mir Mühe gegeben, ganz ruhig und erwachsen aufzutreten, obwohl mein Herz wild gehämmert hat und mir ein bisschen schlecht geworden ist, als ich mir Angus’ Hände angesehen habe; sie sahen aus wie Felsbrocken, und zwar ziemlich große Felsbrocken. Ein paar Leute in der Halle haben gelacht; ich war damals noch nicht so groß wie jetzt und habe weniger als die Hälfte gewogen. Angus hätte mir mit einem Schlag den Kopf vom Hals reißen können. Aber Colum und Dougal haben mich stirnrunzelnd angesehen, obwohl ich den Eindruck hatte, dass sie auch ein wenig stolz waren, dass ich den Nerv zu dieser Bitte hatte. Dann hat Colum nein gesagt – wenn ich mich wie ein Kind benähme, sollte man mich auch wie ein Kind bestrafen. Er hat genickt, und ehe ich nur einen Mucks von mir geben konnte, hat mich Angus über das Knie gelegt, mir den Kilt hochgezogen und mir vor der ganzen Halle mit dem Gürtel den Hintern versohlt.«
»Oh, Jamie!«
»Mmmpfm. Dir ist vielleicht aufgefallen, dass Angus sein Handwerk versteht? Ich habe fünfzehn Schläge bekommen, und ich könnte dir heute noch sagen, wo jeder einzelne gelandet ist.« Er erschauerte bei dem Gedanken daran. »Man konnte die Abdrücke eine ganze Woche lang sehen.«
Er streckte die Hand aus, brach ein Büschel Nadeln vom nächsten Baum am Wegesrand ab und breitete sie wie einen Fächer zwischen Daumen und Finger aus. Der Terpentingeruch wurde mit einem Mal schärfer.
»Nun, danach durfte ich aber nicht einfach gehen und mir die Wunden lecken. Als Angus mit mir fertig war, hat mich Dougal im Genick gepackt und mich zum anderen Ende der Halle geschleift. Dann musste ich auf Knien über die Steine zurückrutschen. Ich musste vor Colums Sessel niederknien und erst Mrs. Fitz und Colum um Verzeihung bitten. Danach musste ich mich bei allen Anwesenden für meine Unhöflichkeit entschuldigen, und schließlich musste ich mich bei Angus für die Prügel bedanken. Daran hätte ich mich fast verschluckt, aber er war sehr großzügig und hat mir sogar die Hand zum Aufstehen gereicht. Man hat mich neben Colum auf einen Hocker gesetzt, und ich musste dort sitzen bleiben, bis die Halle vorüber war.«