Nur du, dachte ich über mich selbst verärgert, bringst es fertig, dir Angst vor einem Haufen Bäume einzureden. Aber wo war Jamie?

Die Hand, die mich am Oberschenkel packte, ließ mich aufquietschen wie eine verschreckte Fledermaus; so klang es nun einmal, wenn man mit dem Herzen in der Kehle zu schreien versuchte. Mit der unvernünftigen Wut eines Menschen, der grundlos verängstigt ist, trat ich nach ihm und traf ihn vor die Brust.

»Schleich dich doch nicht so an mich heran!«

»Schsch«, flüsterte er, »komm mit mir.« Er zog mich ohne Umschweife aus dem Sattel, stellte mich auf den Boden und band hastig die Pferde an, die uns beklommen nachwieherten, als er mich in das hohe Gras hinausführte.

»Was ist denn?«, zischte ich, während ich blindlings über Wurzeln und Steine stolperte.

»Still. Sag nichts. Schau auf den Boden und beobachte meine Füße. Tritt in meine Spuren und bleib stehen, wenn ich dich berühre.«

Langsam und mehr oder weniger leise betraten wir den Rand des Kiefernwäldchens. Es war dunkel unter den Bäumen, denn hier fielen nur Lichtkrümel auf die Nadelschicht unter unseren Füßen. Selbst Jamie konnte darauf nicht lautlos gehen, doch das Rascheln der trockenen Nadeln am Boden ging im Rauschen der grünen Nadeln über uns unter.

Eine Masse aus Granit erhob sich aus dem Waldboden und zerteilte die Nadelschicht. Hier ließ mich Jamie vorgehen und lenkte meine Hände und Füße, während ich den bröckeligen Felsen erkletterte. Oben hatten wir genug Platz, um uns bäuchlings nebeneinanderzulegen. Jamie, der kaum atmete, hielt mir den Mund an das Ohr. »Zehn Meter vor uns, rechts. Auf der Lichtung. Siehst du sie?«

Sobald ich sie sah, hörte ich sie auch. Wölfe, ein kleines Rudel, vielleicht acht oder zehn Tiere. Kein Geheul. Ihre Beute lag im Schatten, ein dunkler Fleck und ein Bein, das wie ein Stöckchen nach oben ragte und vibrierte, weil Zähne an dem Kadaver zerrten. Hin und wieder leises Knurren und Jaulen, wenn ein Welpe von Bissen eines erwachsenen Tiers verjagt wurde, zufriedene Fressgeräusche, Knirschen und das Knacken eines Knochens.

Als sich meine Augen dann besser an die mondgefleckte Szene gewöhnt hatten, konnte ich mehrere pelzige Gestalten ausmachen, die sich satt und friedlich unter den Bäumen ausgestreckt hatten. Hier und dort schimmerte graues Fell auf, weil die Wölfe, die noch fraßen, nach zarten Stücken suchten, die von den zuvor Speisenden übersehen worden waren.

Ein breiter gelbäugiger Kopf hob sich plötzlich mit gespitzten Ohren in einem der Lichtflecke. Der Wolf stieß einen leisen, drängenden Laut aus, irgendwo zwischen Jaulen und Knurren, und unvermittelt herrschte Stille unter den Bäumen.

Seine Safranaugen schienen sich geradewegs auf mich zu richten. Die Haltung des Tiers drückte weder Angst noch Neugier aus, sondern schien mich nur wachsam zur Kenntnis zu nehmen. Jamies Hand auf meinem Rücken mahnte mich, mich nicht zu bewegen. Allerdings hatte ich auch kein Bedürfnis davonzulaufen. Ich hätte stundenlang mit dem Blick der Wölfin verbunden bleiben können, doch sie – ich war mir sicher, dass es ein Weibchen war, obwohl ich nicht wusste, wieso – zuckte einmal mit den Ohren, als entließe sie mich, dann beugte sie sich wieder über ihre Mahlzeit.

Wir beobachteten sie noch ein paar Minuten friedlich im gesprenkelten Licht. Schließlich signalisierte mir Jamie mit einer Berührung am Arm, dass es Zeit war, zu gehen.

Er ließ die Hand auf meinem Arm liegen, um mich zu stützen, während wir uns den Rückweg zur Straße suchten. Es war das erste Mal, seit er mich aus Fort William gerettet hatte, dass ich ihm freiwillig gestattete, mich zu berühren. Immer noch verzaubert vom Anblick der Wölfe, redeten wir nicht viel, doch allmählich wurde unser Umgang wieder lockerer.

Ich dachte an die Geschichten, die er mir erzählt hatte, und konnte ihn nur für das bewundern, was er getan hatte. Ohne ein einziges Wort der direkten Erklärung oder Entschuldigung hatte er mir die beabsichtigte Botschaft übermittelt. Ich habe dir Gerechtigkeit angedeihen lassen, so, wie man es mich gelehrt hat. Und ich habe Gnade walten lassen, soweit ich das konnte. Ich konnte dir zwar den Schmerz und die Erniedrigung nicht ersparen, aber ich mache dir meinen eigenen Schmerz und meine Erniedrigung zum Geschenk, damit du die deine leichter ertragen kannst.

»Ist es sehr schlimm für dich gewesen?«, fragte ich abrupt. »Geschlagen zu werden, meine ich. Bist du immer gut darüber hinweggekommen?«

»Meistens habe ich es vergessen, sobald es vorüber war. Nur das letzte Mal nicht, das hat eine Weile gedauert.«

»Warum?«

»Ah, nun ja. Erstens war ich sechzehn und erwachsen … dachte ich. Zweitens hat es furchtbar weh getan.«

»Du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht möchtest«, sagte ich, da ich sein Zögern spürte. »Ist es eine schmerzhafte Geschichte?«

»Nicht annähernd so schmerzhaft wie meine damalige Strafe«, erwiderte er lachend. »Nein, es macht mir nichts aus, es dir zu erzählen. Es ist nur eine ziemlich lange Geschichte, das ist alles.«

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