Er zog schutzsuchend den Kopf ein. »Das war die schlimmste Stunde, die ich je erlebt habe. Mein Gesicht stand in Flammen, genau wie mein Hintern, meine Knie waren blutig, und ich konnte meinen Blick nur auf meine Füße richten. Aber das Schlimmste war, dass ich fürchterlich pinkeln musste. Ich wäre fast gestorben; ich wäre lieber geplatzt, als mich auch noch vor allen einzunässen. Doch viel hat nicht gefehlt. Ich habe mein ganzes Hemd durchgeschwitzt.«

Ich verkniff es mir zu lachen. »Hättest du Colum denn nicht sagen können, was los war?«

»Er wusste ganz genau, was los war, ebenso wie alle anderen, so, wie ich mich auf dem Hocker gewunden habe. Die Leute haben schon Wetten abgeschlossen, ob ich durchhalte oder nicht.« Er zuckte mit den Schultern.

»Colum hätte mich gehen lassen, wenn ich gefragt hätte. Aber … nun ja, dann hat mich die Sturheit gepackt.« Er grinste ein wenig verlegen, und seine Zähne schimmerten weiß in seinem dunklen Gesicht. »Dachte, ich sterbe lieber, als zu fragen, und fast wäre es auch so gekommen. Als mir Colum schließlich erlaubte zu gehen, habe ich es zwar noch aus dem Saal geschafft, aber nur bis zur nächsten Tür. Dort habe ich mich hinter die Wand gestürzt und Bäche von mir gegeben; ich dachte schon, es hört gar nicht mehr auf. Also …«, er breitete selbstironisch die Hände aus und ließ die Kiefernnadeln fallen, »jetzt weißt du das Schlimmste, was mir je passiert ist.«

Ich konnte nicht anders; ich lachte, bis ich mich an den Straßenrand setzen musste. Jamie wartete geduldig eine Minute, dann sank er auf die Knie.

»Warum lachst du denn so?«, wollte er wissen. »Das war überhaupt nicht komisch.« Doch er lächelte ebenfalls.

Ich schüttelte immer noch lachend den Kopf. »Nein, das ist es auch nicht. Es ist eine furchtbare Geschichte. Es ist nur … Ich kann es vor mir sehen, wie du dasitzt und dich stur stellst und mit den Zähnen knirschst und dir die Ohren qualmen.«

Jamie schnaubte, lachte aber auch ein wenig. »Aye. Es ist eben nicht einfach, sechzehn zu sein, nicht wahr?«

»Also hast du Laoghaire geholfen, weil sie dir leidgetan hat«, sagte ich, als ich mich wieder gefasst hatte. »Du wusstest genau, wie es ist.«

Er war überrascht. »Aye, das habe ich doch gesagt. Es ist viel einfacher, mit zweiundzwanzig ein paar Schläge ins Gesicht zu kassieren, als mit sechzehn in aller Öffentlichkeit den Hintern versohlt zu bekommen. Es gibt nichts, was so sehr schmerzt wie verletzter Stolz, und in diesem Alter ist er schnell verletzt.«

»Ich hatte mich schon gewundert, denn ich hatte noch nie erlebt, dass jemand grinst, weil er gleich eine Faust ins Gesicht bekommt.«

»Hinterher konnte ich das ja nicht mehr.«

»Mmh.« Ich nickte zustimmend. »Ich dachte …«, begann ich, dann hielt ich verlegen inne.

»Was hast du gedacht? Oh, du meinst … Laoghaire und ich«, sagte er. »Du und Alec und alle anderen dachten das, Laoghaire eingeschlossen. Ich hätte es genauso getan, wenn sie nicht so hübsch gewesen wäre.« Er stieß mich in die Rippen. »Obwohl du mir das wahrscheinlich nicht glaubst.«

»Nun ja, ich habe euch schließlich zusammen in dem Alkoven gesehen«, verteidigte ich mich, »und irgendjemand hat dir auf jeden Fall das Küssen beigebracht.«

Jamie trat verlegen von einem Bein auf das andere und senkte schüchtern den Kopf. »Weißt du, Sassenach, ich bin bestimmt nicht besser als andere Männer. Ich gebe mir zwar Mühe, aber es gelingt mir nicht immer. Du kennst doch diese Stelle bei Paulus, wo er sagt, es ist besser zu heiraten, als zu brennen? Ich habe damals ziemlich schlimm gebrannt.«

Ich lachte erneut und fühlte mich selbst so unbeschwert wie eine Sechzehnjährige. »Dann hast du mich also geheiratet«, zog ich ihn auf, »um nicht zum Sünder zu werden?«

»Aye. Das ist doch der Sinn der Ehe; sie verwandelt etwas, was man sonst beichten müsste, in ein Sakrament.«

Ich brach erneut vor Heiterkeit zusammen.

»Oh, Jamie, ich liebe dich!«

Diesmal krümmte er sich vor Lachen. Er ließ sich nach hinten fallen und blieb japsend im Gras liegen.

»Was in aller Welt ist denn mit dir los?«, fragte ich und starrte ihn entgeistert an. Schließlich setzte er sich und wischte sich die Tränen aus den Augen. Kopfschüttelnd schnappte er nach Luft.

»Murtagh hatte recht, was Frauen betrifft. Sassenach, ich habe mein Leben für dich riskiert und mich dabei des Diebstahls, der Brandstiftung, der Körperverletzung und des Mordes schuldig gemacht. Zur Belohnung beschimpfst du mich, zweifelst an meiner Männlichkeit, trittst mir in die Eier und zerkratzt mir das Gesicht. Dann schlage ich dich halb tot und erzähle dir die peinlichsten Dinge, die mir je widerfahren sind, und du sagst, dass du mich liebst!« Er legte den Kopf auf die Knie und lachte erneut los. Schließlich erhob er sich und hielt mir eine Hand hin, während er sich mit der anderen die Augen rieb.

»Du bist zwar nicht besonders vernünftig, Sassenach, aber ich hab’ dich gern. Gehen wir.«

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