Was es ist, das zwischen ihm und mir steht. Das Leben eines anständigen Mannes, die Ehre eines Mädchens und eine obszöne Lust, die sich ihr Ventil in Blut und Angst suchte. Mir verknotete sich der Magen, als mir dämmerte, dass jetzt noch ein weiteres Gewicht in der Waagschale lag. Ich. Erst jetzt begann ich zu begreifen, was Jamie empfunden hatte, als er im Fenster zu Randalls Stube hockte, mit einer leeren Pistole in der Hand. Und ich begann, ihm das, was er mir angetan hatte, zu verzeihen.

Als hätte er meine Gedanken gelesen, sagte er, ohne mich anzusehen: »Weißt du … ich meine, kannst du vielleicht verstehen, warum ich es nötig fand, dich zu schlagen?«

Ich wartete einen Moment, ehe ich antwortete. Das verstand ich, ja, aber das war nicht alles.

»Ich verstehe«, sagte ich. »Und was das betrifft, verzeihe ich dir auch. Was ich dir nicht verzeihen kann«, setzte ich hinzu und erhob unwillkürlich die Stimme, »ist, dass du es genossen hast.«

Er beugte sich im Sattel vor, klammerte sich am Sattelknauf fest und lachte lange vor sich hin. Er kostete das Nachlassen der Anspannung aus, bis er schließlich den Kopf zurückwarf und sich mir zuwandte. Sein Gesicht war von Erschöpfung und Anstrengung zerfurcht – und von Fröhlichkeit. Die Kratzer auf seiner Wange waren schwarz im gedämpften Morgenlicht.

»Es genossen! Sassenach«, keuchte er, »du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich es genossen habe. Du warst so … Gott, du warst so schön. Ich war so wütend, und du hast dich so gewehrt. Es war schlimm für mich, dir weh zu tun, aber gleichzeitig wollte ich es auch. Himmel …«, sagte er und wischte sich die Nase, »ja. Ja, ich habe es genossen. Obwohl du es mir ruhig zugutehalten könntest, dass ich Zurückhaltung demonstriert habe.«

Allmählich wurde ich wieder ziemlich wütend. Ich konnte spüren, wie meine Wangen in der Morgenluft heiß anliefen.

»Zurückhaltung? Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass du demonstriert hast, wie gut du mit links zuschlagen kannst. Du hättest mich fast zum Krüppel gemacht, du arroganter schottischer Mistkerl!«

»Wenn ich dich zum Krüppel machen wollte, Sassenach, würdest du das merken«, antwortete er trocken. »Ich meine, hinterher. Ich habe auf dem Boden geschlafen, wie du dich vielleicht erinnerst.«

Ich sah ihn scharf an und atmete durch die Nase. »Oh, das nennst du also Zurückhaltung, ja?«

»Nun, ich fand es nicht richtig, mich in diesem Zustand über dich herzumachen, so gern ich es auch getan hätte. Und ich hätte es gern getan«, fügte er hinzu und lachte wieder. »Das war ein furchtbarer Dämpfer für meine natürlichen Instinkte.«

»Über mich herzumachen?«

»Nun, unter den Umständen würde ich es kaum ›lieben‹ nennen, du vielleicht?«

»Wie auch immer du es nennen möchtest«, erwiderte ich gleichmütig, »es ist gut, dass du es nicht versucht hast, sonst würden dir jetzt ein paar wertvolle Teile deiner Anatomie fehlen.«

»Dieser Gedanke ist mir auch gekommen.«

»Wenn du glaubst, du hast Applaus verdient, weil du die Körperverletzung nicht noch mit einer Vergewaltigung gekrönt hast …« Der Rest des Satzes blieb mir vor Empörung im Hals stecken.

Wir ritten etwa eine halbe Meile schweigend weiter. Dann seufzte er tief. »Ich sehe schon, dass ich dieses Gespräch besser nicht angefangen hätte. Was ich eigentlich wollte, war, vorsichtig auf die Frage hinzuarbeiten, ob du es mir erlauben würdest, dein Bett wieder zu teilen, wenn wir nach Bargrennan kommen.« Er hielt schüchtern inne. »Es ist ein bisschen kalt auf dem Boden.«

Ich ritt noch gute fünf Minuten weiter, ehe ich antwortete. Als ich mir zurechtgelegt hatte, was ich sagen wollte, stellte ich mein Pferd auf der Straße quer, so dass Jamie ebenfalls anhalten musste. Die ersten Dächer von Bargrennan waren bereits in Sichtweite.

Ich trieb mein Pferd an seine Seite, so dass uns nicht einmal ein halber Meter trennte. Ich sah ihm eine Minute direkt ins Auge, ehe ich sprach.

»Würdest du mir die Ehre erweisen, mein Bett zu teilen, mein Herr und Meister?«, fragte ich höflich.

Da offensichtlich sein Argwohn geweckt war, überlegte er kurz, dann nickte er genauso förmlich. »Ja. Danke.« Er machte schon Anstalten, weiterzureiten, als ich ihn aufhielt.

»Nur eines noch, Herr«, bat ich immer noch sehr höflich.

»Aye?«

Ich riss die Hand aus meiner geheimen Rocktasche, und die Morgensonne schlug Funken auf der Dolchklinge, die ich ihm an die Brust hielt.

»Wenn«, zischte ich durch die Zähne, »du noch einmal die Hand gegen mich erhebst, James Fraser, schneide ich dir das Herz heraus und brate es mir zum Frühstück!«

Es folgte eine lange Pause, die nur von den Geräuschen der Pferde und dem Klirren des Zaumzeugs unterbrochen wurde. Dann hielt er mir die offene Hand entgegen.

»Gib ihn mir.« Als ich zögerte, sagte er ungeduldig: »Ich werde dir nichts tun. Gib ihn mir!«

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