»Aber da gibt es nicht viele Möglichkeiten für mich«, sagte er und kratzte sich geistesabwesend am Oberschenkel. »Nur das Söldnerleben, und das ist nichts für dich. Oder nach Rom an den Hof von König James. Das lässt sich womöglich bewerkstelligen; ich habe ein paar Fraser-Onkel, die dort Verbindungen haben und mir helfen würden. Für Politik habe ich zwar nicht viel übrig und noch weniger für Prinzen, aber aye, möglich wäre es. Doch ich würde lieber erst versuchen, meinen Namen in Schottland reinzuwaschen. Wenn mir das gelänge, würde ich schlimmstenfalls als Kleinbauer auf Fraser-Gebiet enden, bestenfalls könnte ich vielleicht sogar zurück nach Lallybroch.« Sein Gesicht verdüsterte sich, und ich wusste, dass er an seine Schwester dachte. »Wenn es nur um mich ginge«, sagte er leise, »würde ich das nicht tun, aber es geht ja nicht mehr nur um mich.«

Er blickte auf mich hinunter und lächelte, und seine Hand glättete mir sacht das Haar. »Manchmal vergesse ich, dass du jetzt da bist, Sassenach.«

Ich fühlte mich außerordentlich unangenehm. Im Grunde genommen fühlte ich mich sogar wie eine Verräterin. Hier war er nun, schmiedete Pläne, die sein ganzes Leben betrafen, und berücksichtigte dabei stets mein Wohlergehen und meine Sicherheit, während ich alles darangesetzt hatte, ihn im Stich zu lassen, und ihn dabei in beträchtliche Gefahr gebracht hatte. Zwar hatte ich das nicht gewollt, aber es änderte nichts an der Tatsache. Selbst jetzt dachte ich noch, dass ich es ihm ausreden sollte, nach Frankreich zu gehen, weil es mich nur weiter von meinem eigenen Ziel entfernen würde: dem Steinkreis.

»Aber wäre es für dich denn wirklich möglich, in Schottland zu bleiben?«, fragte ich, ohne ihn anzusehen. Ich hatte das Gefühl, dass sich der schwarze Fleck auf der Bettdecke bewegt hatte, doch ich war mir nicht ganz sicher. Ich ließ die Stelle nicht mehr aus den Augen.

Jamies Hand wanderte unter mein Haar und begann, mir geistesabwesend den Hals zu streicheln.

»Aye«, sagte er nachdenklich. »Vielleicht. Das ist der Grund, warum Dougal auf mich gewartet hat; er hatte Neuigkeiten.«

»Tatsächlich? Welcher Art?« Ich wandte den Kopf, um ihn wieder anzusehen; durch die Bewegung kam mein Ohr in Reichweite seiner Finger, und er begann, es sacht zu liebkosen, so dass ich am liebsten den Hals gereckt und wie eine Katze geschnurrt hätte. Doch ich unterdrückte den Impuls, um stattdessen herauszufinden, was er vorhatte.

»Ein Bote von Colum«, sagte er. »Er hatte uns hier gar nicht erwartet, aber er war Dougal zufällig unterwegs begegnet. Dougal soll also sofort nach Leoch zurückkehren und Ned Gowan das Eintreiben der restlichen Pacht überlassen. Und Dougal schlägt vor, dass wir ihn begleiten.«

»Zurück nach Leoch?« Es war zwar nicht Frankreich, aber viel besser war es auch nicht. »Warum?«

»Sie erwarten dort in Kürze einen Besucher, einen englischen Adelsherrn, der schon öfter mit Colum zu tun hatte. Er ist ein einflussreicher Mann, und vielleicht können wir erreichen, dass er sich für mich einsetzt. Noch habe ich ja weder wegen Mordes vor Gericht gestanden noch bin ich verurteilt worden. Es ist denkbar, dass er die Aufhebung der Anklage oder eine Begnadigung erwirken kann.« Er grinste ironisch. »Es geht mir zwar gegen den Strich, für etwas begnadigt zu werden, das ich gar nicht getan habe, aber es ist besser, als gehängt zu werden.«

»Ja, das ist wahr.« Der Fleck bewegte sich tatsächlich. Ich kniff die Augen zusammen, um ihn genauer beobachten zu können. »Wer ist denn der englische Adelsherr?«

»Der Herzog von Sandringham.«

Mit einem Ausruf fuhr ich hoch.

»Was hast du, Sassenach?«, fragte Jamie alarmiert.

Ich zeigte mit zitterndem Finger auf den schwarzen Fleck, der sich nun langsam, aber entschlossen über sein Bein bewegte.

»Was ist das?«, fragte ich.

Er warf einen Blick darauf und schnippte es beiläufig mit dem Fingernagel fort.

»Oh, das? Nur eine Wanze, Sassenach, kein Grund zur …«

Mein abrupter Abgang unterbrach seine Worte. Bei dem Wort »Wanze« war ich unter der Decke hervorgeschossen und stand jetzt flach an der Wand, so weit wie möglich von dem Ungeziefernest entfernt, als das mir unser Bett jetzt erschien.

Jamie beäugte mich abschätzend.

»Aufgeschrecktes Stachelschwein, sagst du, ja?« Er legte den Kopf schief und betrachtete mich fragend. »Mmm«, brummte er und fuhr sich mit der Hand über den Kopf, um sich das Haar glatt zu streichen. »Zumindest aufgeschreckt. Du bist wirklich ein kleiner Wuschelkopf, wenn du aufwachst.« Er rollte sich auf mich zu und streckte die Hand aus.

»Komm her, meine kleine Pusteblume. Wir brechen erst heute Abend auf. Und wenn wir schon nicht schlafen …«

Am Ende schliefen wir doch noch ein wenig, friedlich verschlungen am Boden auf einem harten, aber wanzenfreien Bett, das aus meinem Umhang und Jamies Kilt bestand.

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