»Gleich, Sassenach. Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erledigen.« Er verließ das Zimmer, und ich blieb mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengrube zurück. Ich erinnerte mich an den strahlenden Blick der Vorfreude in Laoghaires Gesicht, als sie um die Ecke bog, weil sie Jamies Stimme gehört hatte, und die schockierte Wut, die an die Stelle dieser Freude getreten war, als sie mich in Jamies Armen entdeckte. Ich hatte nicht vergessen, dass er sich bei ihrem Anblick kurz angespannt hatte, und ich wünschte wirklich, ich hätte in diesem Moment sein Gesicht sehen können. Ich hielt es durchaus für wahrscheinlich, dass er jetzt zwar unausgeruht, aber gewaschen und gekämmt zu dem Mädchen gegangen war, um ihr die Neuigkeit von unserer Heirat zu erzählen. Hätte ich sein Gesicht gesehen, hätte ich wenigstens die Spur einer Vorstellung gehabt, was er ihr sagen wollte.

Die Ereignisse des letzten Monats hatten mich derart gefangen genommen, dass ich das Mädchen ganz vergessen hatte – und das, was sie Jamie möglicherweise bedeutete, oder er ihr. Natürlich hatte ich an sie gedacht, als ich mit der Frage unserer abrupten Hochzeit konfrontiert wurde. Damals hatte jedoch nichts darauf hingedeutet, dass sie ein Hindernis darstellte, zumindest was Jamie betraf.

Aber wenn ihr Vater es natürlich nicht zuließ, dass sie einen Gesetzlosen heiratete – und Jamie eine Frau brauchte, um seinen Anteil an der Pacht einzufordern … nun, was das betraf, war eine Frau so gut wie jede andere, und er hätte zweifel- und klaglos genommen, was er bekommen konnte. Ich glaubte, Jamie inzwischen gut genug zu kennen, um zu wissen, dass er extrem praktisch veranlagt war – was ja bei einem Mann, der die letzten Jahre auf der Flucht gelebt hatte, unabdingbar war. Daran konnten auch Rosenwangen und Haare wie flüssiges Gold nichts ändern. Das bedeutete aber nicht, dass er nicht an sie dachte und sich nicht zu ihr hingezogen fühlte.

Schließlich existierte diese kleine Szene in dem Alkoven, bei der ich Zeugin geworden war, wie Jamie das Mädchen auf den Knien sitzen hatte und sie leidenschaftlich küsste (Ich habe schon andere in den Armen gehabt, waren seine Worte gewesen, und ich hatte Herzklopfen und konnte nicht mehr atmen und all das …). Ich stellte fest, dass ich meine Hände in die Bettdecke gekrallt hatte und meine Finger tiefe Falten in das grün-gelbe Stoffmuster zogen. Ich ließ los und wischte mir mit den Händen über den Rock. Dabei fiel mir auf, wie schmutzig sie waren, weil sie zwei Tage lang die Zügel gehalten hatten und es zwischendurch keine Gelegenheit zum Waschen gegeben hatte.

Ich erhob mich und ging zur Waschschüssel hinüber. Meine Müdigkeit war verflogen. Zu meiner Überraschung wurde mir klar, dass mir dieser Kuss zwischen Jamie und Laoghaire extrem missfiel. Ich wusste noch genau, was er dazu gesagt hatte: Es ist besser zu heiraten, als zu brennen, und ich habe damals ziemlich schlimm gebrannt. Ich brannte jetzt selbst ein wenig, denn ich wurde rot, als ich daran dachte, wie Jamies Küsse auf meine eigenen Lippen wirkten. Brennend, in der Tat.

Energisch spritzte ich mir Wasser ins Gesicht und versuchte prustend, dieses Gefühl zu verdrängen. Entschlossen rief ich mir ins Gedächtnis, dass ich keinen Anspruch auf Jamies Zuneigung hatte. Ich hatte ihn aus Not geheiratet. Und er hatte seine eigenen Gründe gehabt, zu denen es unverhohlen zählte, dass er mit einer Frau schlafen wollte.

Ein weiterer Grund war anscheinend, dass er eine Frau brauchte, um Anspruch auf sein Einkommen anzumelden, und er kein Mädchen aus seiner Umgebung dazu bewegen konnte, ihn zu heiraten. Ein Grund, der um einiges weniger schmeichelhaft war als der erste, wenn auch nicht weniger hochtrabend.

Inzwischen war ich hellwach und tauschte meine fleckigen Reisekleider langsam gegen ein frisches Hemd ein, das genau wie die Schüssel und der Waschkrug von Mrs. Fitz’ fleißigen Helfern herbeigeschafft worden war. Wie es ihr gelungen war, in der Zeit zwischen Jamies abrupter Ankündigung gegenüber Colum und unserem Eintreffen am Kopfende der Treppe Platz für zwei frisch Verheiratete zu schaffen, war eins der ewigen Rätsel der Menschheit. Mrs. Fitz, so dachte ich, hätte auch wunderbar das Waldorf-Astoria oder das Londoner Ritz leiten können.

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