Nun musste ich mir das Lachen verkneifen. »Es ist, äh, ein Mensch, der … der sexuelle Befriedigung empfindet, wenn er jemandem Schmerzen zufügt.« Mein Gesicht lief zwar rot an, aber ich konnte nicht verhindern, dass sich meine Mundwinkel leicht nach oben verzogen.
Jamie prustete kurz. »Nun, du schmeichelst mir damit zwar nicht besonders«, sagte er, »aber ich kann genauso wenig behaupten, dass du unrecht hast.« Er holte tief Luft, lehnte sich zurück und öffnete die Fäuste. Dann streckte er die Finger der Länge nach aus, legte sich die Hände flach auf die Knie und sah mich direkt an.
»Also, was ist? Warum tust du das? Das Mädchen? Ich habe dir die Wahrheit gesagt. Aber es geht nicht darum, es zu beweisen. Es geht darum, ob du mir glaubst oder nicht. Glaubst du mir?«
»Ja, ich glaube dir«, räumte ich widerstrebend ein. »Aber das ist es nicht. Zumindest nicht alles«, fügte ich hinzu und bemühte mich um Aufrichtigkeit. »Es ist … ich glaube, es war die Feststellung, dass du mich des Geldes wegen geheiratet hast, das du bekommen würdest.« Ich senkte den Blick und zeichnete das Muster der Bettdecke mit dem Finger nach. »Ich weiß ja, dass ich kein Recht habe, mich zu beklagen – ich habe dich ebenfalls aus Eigennutz geheiratet, aber …«, ich biss mir auf die Lippe und schluckte, um weitersprechen zu können, »aber ich habe schließlich auch ein kleines bisschen Stolz.«
Ich sah ihn verstohlen an und stellte fest, dass er völlig verdattert war.
»Geld?«
»Ja, Geld!«, schimpfte ich, denn seine vorgetäuschte Ahnungslosigkeit machte mich wütend. »Sobald wir wieder hier waren, konntest du es gar nicht abwarten, Colum zu erzählen, dass du verheiratet bist, und deinen Anteil an der Pacht einzufordern.«
Er starrte mich noch einen Moment an, und sein Mund öffnete sich langsam, als wollte er etwas sagen. Doch stattdessen begann er, langsam den Kopf zu schütteln, und dann fing er an zu lachen. Er warf den Kopf in den Nacken und johlte geradezu, dann legte er ihn, immer noch hysterisch lachend, in die Hände. Ich warf mich empört auf die Kissen zurück. Was war daran komisch?
Keuchend und kopfschüttelnd stand er schließlich auf und griff nach seiner Gürtelschnalle. Ich zuckte unwillkürlich zusammen, und er merkte es.
Rot von seiner Wut und vor Gelächter, blickte er völlig enerviert auf mich hinunter. »Nein«, sagte er trocken, »ich habe nicht vor, dich zu schlagen. Ich habe dir mein Wort gegeben, dass ich es nicht noch einmal tue – obwohl ich nicht gedacht hätte, dass ich es so schnell bereuen würde.« Er legte den Gürtel beiseite und griff in den Sporran, der daran hing.
»Mein Anteil an der Pacht beläuft sich auf etwa zwanzig Pfund pro Quartal, Sassenach.« Er kramte im Inneren des Dachsfells herum. »Und zwar schottische Pfund, nicht Sterling. Ungefähr der Preis einer halben Kuh.«
»Das … das ist alles?«, sagte ich. »Aber …«
»Das ist alles«, bestätigte er. »Und mehr werde ich von den MacKenzies nie bekommen. Dir ist ja sicher schon aufgefallen, dass Dougal ein Geizkragen ist, und Colum passt noch besser auf sein Geld auf als er. Aber selbst für die königliche Summe von zwanzig Pfund im Quartal würde man wohl kaum dringend heiraten, denke ich«, fügte er sarkastisch hinzu.
»Ich hätte auch gar nicht sofort danach gefragt«, fügte er hinzu und brachte ein kleines, in Papier gewickeltes Päckchen zum Vorschein, »wenn ich nicht eine Kleinigkeit hätte kaufen wollen. Deshalb war ich unterwegs; Laoghaire habe ich dabei nur zufällig getroffen.«
»Und was wolltest du so unbedingt kaufen?«, fragte ich argwöhnisch.
Er seufzte und zögerte einen Moment, dann ließ er mir das Päckchen behutsam in den Schoß fallen.
»Einen Ehering, Sassenach«, antwortete er. »Ich habe ihn von Ewen, dem Waffenschmied; er macht so etwas nebenbei.«
»Oh«, sagte ich kleinlaut.
»Bitte«, sagte er nach einer kleinen Pause. »Mach es auf, es ist für dich.«
Die Umrisse des kleinen Päckchens verschwammen mir unter den Fingern. Ich zog blinzelnd die Nase hoch, machte aber keine Anstalten, es zu öffnen. »Es tut mir leid«, sagte ich.
»Das sollte es auch, Sassenach«, erwiderte er, doch seine Stimme klang nicht mehr wütend. Er streckte die Hand aus, nahm mir das Päckchen vom Schoß und riss die Verpackung auf, so dass ein breites Silberband zum Vorschein kam. Es war mit einem keltischen Knotenmuster verziert, in dessen Bindegliedern kleine schottische Disteln prangten.
So viel sah ich, dann verschwamm es mir wieder vor den Augen.
Mir wurde ein Taschentuch in die Hand gedrückt, und ich bemühte mich, die Flut damit einzudämmen. »Er ist … wunderschön«, sagte ich und räusperte mich, während ich mir über die Augen wischte.
»Wirst du ihn tragen, Claire?« Seine Stimme war jetzt sanft, und die Tatsache, dass er meinen Namen benutzte, was er meistens nur in Momenten der Zärtlichkeit oder der Förmlichkeit tat, brachte mich erneut an den Rand des Zusammenbruchs.