»Du brauchst es nicht«, sagte er und sah mich mit ernsten Augen an. »Unser Ehekontrakt ist erfüllt – vor dem Gesetz ist er gültig. Du bist geschützt und sicher vor allem – außer vor einem Haftbefehl. Und sogar davor, solange du dich in Leoch aufhältst. Wenn du möchtest, können wir getrennt voneinander leben – falls es das ist, was du mit all diesem Unsinn über Laoghaire ausdrücken wolltest. Du brauchst nicht viel mit mir zu tun zu haben, wenn das dein aufrichtiger Wunsch ist.« Er saß reglos wartend da und hielt sich den Ring vor das Herz.

Hier ließ er mir nun also die Wahl, die ich ihm hatte lassen wollen. Er war mir zwar durch die Umstände aufgedrängt worden, doch er selbst würde sich mir nicht mehr aufdrängen, wenn ich mich entschloss, ihn zurückzuweisen. Und dann war da natürlich die Alternative: den Ring anzunehmen und damit alles, was mit ihm einherging.

Die Sonne begann zu sinken. Die letzten Lichtstrahlen schienen durch einen blauen Glasflakon, der auf dem Tisch stand und einen leuchtend blauen Streifen auf die Wand warf. Ich fühlte mich so zerbrechlich und schimmernd wie das Glas, als würde ich bei der geringsten Berührung zerspringen und in glitzernden Fragmenten zu Boden fallen. Falls ich wirklich vorgehabt hatte, meine oder Jamies Emotionen zu schonen, so war es anscheinend viel zu spät.

Ich brachte kein Wort heraus, doch ich hielt ihm mit zitternden Fingern meine rechte Hand entgegen. Der Ring glitt mir kühl und hell über den Fingerknöchel und schob sich dann auf meine Fingerwurzel – er passte genau. Jamie hielt ein paar Sekunden meine Hand und sah sie an, dann drückte er plötzlich meine Fingerknöchel fest an seinen Mund. Er hob den Kopf, und einen Moment lang sah ich sein Gesicht, entschlossen und drängend, ehe er mich auf seinen Schoß zog.

Dort hielt er mich fest an sich gedrückt, und ich konnte den Puls in seinem Hals spüren, der genauso hämmerte wie der meine. Seine Hände wanderten zu meinen bloßen Schultern hinauf, und er hielt mich ein Stück von sich fort, so dass ich nun in sein Gesicht aufblickte. Seine Hände waren groß und sehr warm, und ich fühlte mich ein wenig benommen.

»Ich will dich, Claire«, sagte er mit erstickter Stimme. »Ich will dich so sehr, dass ich kaum atmen kann. Wirst du …«, er schluckte, dann räusperte er sich. »Wirst du mich nehmen?«

Inzwischen hatte ich meine Stimme wiedergefunden. Sie überschlug sich zwar und bebte, aber sie funktionierte.

»Ja«, sagte ich. »Ja, ich nehme dich.«

»Ich glaube«, begann er, dann hielt er inne. Er öffnete seine Gürtelschnalle, doch dann sah er mich geradezu flehend an und ballte die Hände an den Seiten zu Fäusten. Er sprach mühsam und beherrschte ein Drängen, das so machtvoll war, dass seine Hände vor Anstrengung zitterten. »Ich will nicht … ich kann nicht … Claire, ich kann jetzt nicht sanft sein.«

Mir blieb nur Zeit zu nicken, zur Bestätigung, als Erlaubnis, dann legte er mich vor sich hin und drückte mich mit seinem Gewicht auf das Bett.

Er hielt nicht inne, um sich weiter zu entkleiden. Ich konnte den Straßenstaub an seinem Hemd riechen und die Sonne und den Schweiß der Reise auf seiner Haut schmecken. Er hielt mich mit ausgestreckten Armen an den Handgelenken fest. Meine Hand streifte die Wand, und ich spürte, wie einer meiner Ringe leise klirrend über den Stein schabte. Ein Ring für jede Hand, einer aus Silber, einer aus Gold. Und das dünne Metall war plötzlich schwer wie die Bindung der Ehe, als wären die Ringe kleine Handschellen, die mich an das Bett fesselten, ausgestreckt zwischen zwei Polen, gefangen wie Prometheus auf seinem Felsen, geteilte Liebe des Geiers, der an meinem Herzen zehrte.

Er spreizte meine Oberschenkel mit dem Knie und drang mit einem einzigen Stoß bis zum Schaft in mich ein, so dass ich aufkeuchte. Er stieß einen Laut aus, der fast ein Stöhnen war, und packte mich fester.

»Du bist mein, a nighean donn«, sagte er leise und presste sich tiefer in mich hinein. »Nur mein, jetzt und für immer. Mein, ob du es willst oder nicht.« Ich atmete mit einem leisen »Ah« ein, als er noch weiter drängte.

»Aye, du sollst mich ganz spüren, Sassenach«, flüsterte er. »Ich will dich haben, dich besitzen mit Leib und Seele.« Ich wand mich sacht, und er drückte mich nieder und stieß so unausweichlich in mich hinein, dass er mit jedem Mal mein Innerstes berührte. »Ich will, dass du mich ›Meister‹ nennst, Sassenach.« Sein sanfter Ton drohte mit Rache für die Qualen der letzten Minuten. »Ich will dich zu der meinen machen.«

Ich zitterte und stöhnte, und mein Inneres klammerte sich in krampfhaften Wellen an den unerbittlichen Eindringling. Die Bewegung ließ dennoch nicht nach, weiter und weiter, minutenlang, und trieb mich an den Rand zwischen Lust und Schmerz. Ich fühlte mich wie aufgelöst, als existierte ich nur am Punkt seines Überfalls, am Rand der totalen Kapitulation.

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