Ich richtete das Augenmerk auf meine andere Seite, an der Geillis Duncan saß und zurückhaltend an einem silbernen Becher Ale nippte. Arthur, ihr Mann, saß bei Colum am Nebentisch, wie es sich für den Fiskalprokurator ziemte, doch Geillis hatte darauf bestanden, neben mir zu sitzen, weil sie keine Lust hatte, sich während des gesamten Abendessens ermüdendes Männergerede anzuhören.
Arthurs tief liegende Augen waren halb geschlossen, von blauen Ringen umgeben und vom Wein und vor Erschöpfung eingesunken. Er stützte das schlaffe Gesicht auf seine Unterarme auf und schenkte der Unterhaltung der MacKenzies neben ihm keine Beachtung. Dasselbe Licht, das die scharf geschnittenen Gesichtszüge des Burgherrn und seines Bruders noch betonte, ließ Arthur Duncan einfach nur fett und krank aussehen.
»Dein Mann sieht nicht besonders gut aus«, stellte ich fest. »Sind seine Magenbeschwerden schlimmer geworden?« Die Symptome waren mir ein Rätsel; kein Magengeschwür, dachte ich, und auch kein Krebs – nicht bei dieser Körperfülle. Vielleicht war es ja wirklich chronische Gastritis, wie Geilie behauptete.
Sie warf ihrem Mann einen flüchtigen Blick zu, ehe sie sich achselzuckend zu mir zurückwandte.
»Oh, es geht ihm einigermaßen«, sagte sie. »Jedenfalls nicht schlechter als sonst. Aber was ist mit
»Äh, was soll denn mit ihm sein?«, erwiderte ich vorsichtig.
Sie bohrte mir vertraulich den Ellbogen in die Rippen, und ich begriff, dass an ihrem Tischende ebenfalls eine erkleckliche Reihe von Flaschen stand.
»Nun, was glaubst du denn? Sieht er ohne Hemd genauso nett aus wie mit?«
»Ähm …« Ich suchte nach einer Antwort, während sie mit gerecktem Hals zum Eingang spähte.
»Ha – und du hast behauptet, du hättest nichts für ihn übrig! Schlauberger. Die Hälfte der Mädchen in der Burg würde dir am liebsten wenigstens die Haare ausreißen. An deiner Stelle wäre ich vorsichtig, was ich esse.«
»Was ich esse?« Ich warf einen verblüfften Blick auf meinen Holzteller, der bis auf eine Fettspur und eine einsame Zwiebel leer war.
»Gift«, zischte sie dramatisch in mein Ohr, und ich wurde von einer ordentlichen Brandyfahne getroffen.
»Unsinn«, sagte ich frostig und rückte ein Stück von ihr fort. »Es würde mich doch niemand vergiften wollen, nur weil ich … nun ja, weil …« Ich kam ein wenig ins Stottern, und mir wurde klar, dass auch ich möglicherweise den einen oder anderen Schluck zu viel getrunken hatte.
»Wirklich, Geillis. Diese Hochzeit … ich habe das nicht geplant. Ich
»Ha«, sagte sie zynisch. »Ich weiß doch, wie eine Frau aussieht, die im Bett zufrieden ist.« Sie warf noch einen Blick auf den Torbogen, durch den Jamie verschwunden war. »Und der Teufel soll mich holen, wenn ich glaube, dass der Junge da Mückenstiche am Hals hat.« Sie betrachtete mich mit hochgezogener Augenbraue. »Wenn das eine geschäftliche Abmachung war, dann würde ich sagen, es ist den Preis wert gewesen.«
Sie beugte sich wieder dicht zu mir herüber.
»Ist es wahr?«, flüsterte sie. »Das mit dem Daumen?«
»Daumen? Geilie, wovon in Gottes Namen redest du da?«
Sie sah mich von oben herab an und runzelte konzentriert die Stirn. Ihre schönen grünen Augen schielten leicht, und ich hoffte, dass sie nicht umkippen würde.
»Das musst du doch wissen! Das weiß jeder! Die Daumen eines Mannes verraten, wie groß sein Schwanz ist. Die dicken Zehen natürlich auch«, fügte sie sachlich hinzu, »aber die sind meistens schwerer zu beurteilen, weil sie ja in Schuhen stecken. Dein Fuchsjunge da«, sagte sie und wies kopfnickend auf den Türbogen, in dem Jamie gerade wieder aufgetaucht war, »hat jedenfalls Hände, in die problemlos ein anständiger Kürbis passt. Oder ein anständiger Hintern, hm?«, fügte sie hinzu und stieß mich noch einmal an.
»Geillis Duncan, würdest … du … den … Mund … halten!«, zischte ich mit brennendem Gesicht. »Man wird dich hören!«
»Oh, mich hört schon niemand, der …«, begann sie, doch dann hielt sie mit großen Augen inne. Jamie war geradewegs an unserem Tisch vorbeigegangen, als sähe er uns gar nicht. Sein Gesicht war bleich, und er hatte die Zähne fest zusammengebissen, als hätte er eine unangenehme Pflicht zu erfüllen.
»Was ist denn mit
»Ich weiß es nicht.« Ich schob die Bank zurück, zögerte aber. Er steuerte auf Colums Tisch zu. Sollte ich ihm folgen? Es war eindeutig irgendetwas vorgefallen.
Geilie, die jetzt zum anderen Ende des Saals blickte, zupfte mich auf einmal am Ärmel und zeigte in die Richtung, aus der Jamie aufgetaucht war.
Im Eingang stand ein Mann, der ebenfalls zögerte. Seine Kleider waren staubig und voller Schlammspritzer; ein Reisender also. Ein Bote. Und wie auch immer seine Nachricht lautete, er hatte sie an Jamie weitergegeben, der sich jetzt über Colum beugte, um sie ihm zuzuflüstern.